Zu Inhalt springen
Versand mit DHL - Versandkostenfrei in Deutschland - PayPal Schnellkauf
Versand mit DHL - PayPal Express - Versandkostenfrei in Deutschland - Nach Österreich nur 4,95 €
🤘 Kolumne: Brötchen, Bier und Fernweh – Wenn die schwarze Horde zum Holy Ground pilgert

🤘 Kolumne: Brötchen, Bier und Fernweh – Wenn die schwarze Horde zum Holy Ground pilgert

🤘 Kaffee, Kutten und akutes Fernweh: Mein melancholischer Gruß an den Holy Ground 

Es ist ein sonniger Sonntagmorgen hier am Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald. Der Kaffee dampft im Pappbecher, und ich stehe an der Raststätte, um eigentlich nur gemütlich ein paar Sonntagsbrötchen zu besorgen und nebenbei im Kopf diese Kolumne zu skizzieren. Doch plötzlich liegt etwas Magisches in der Luft. Ein vertrautes, tiefes Grollen mischt sich unter das Rauschen der A93.

Da sind sie. Die Pilger. Die schwarze Horde.

Ich sitze auf meiner Bank, beiße in mein unschuldiges Croissant und spüre einen massiven, fast schon schmerzhaften Stich tiefster Wehmut. Denn während ich gleich wieder an meinen Schreibtisch zurückkehre, machen sich vor meinen Augen tausende Metalheads auf den Weg zum Mekka der harten Gitarren. Sie reisen gen Norden. Zum Holy Ground. Nach Wacken.

Die Anatomie des perfekten Wacken-Konvois

Man erkennt sie sofort. Da rollt der 15 Jahre alte Ford Mondeo Kombi auf den Parkplatz, der nicht etwa durch ein teures Sportfahrwerk tiefergelegt ist, sondern durch das astronomische Eigengewicht von 24 Paletten 5,0-Original-Dosenbier, acht Kisten Ravioli, Panzertape und einem undichten Pavillon aus dem Baumarkt.

Aus den Boxen dröhnt Iron Maiden in einer Lautstärke, die das Brötchen in meiner Hand leicht vibrieren lässt. Aus den Fenstern ragen Arme, die schon jetzt, hunderte Kilometer vor dem Ziel, die weltbekannte Pommesgabel in den bayerischen Himmel recken. Aus Menschen, die 350 Tage im Jahr als liebenswerte Buchhalter oder Zahnärzte arbeiten, werden wieder echte Krieger. In verwaschenen Band-Shirts und Kutten, die vor lauter Aufnähern von selbst stehen, und eine Vorfreude in den Augen, die so strahlt, dass man sie fast greifen kann.

Mein linker Gummistiefel und der Mythos der nassen Kuhwiese

Ich muss lächeln, denn ich war einst einer von ihnen. Ich kenne den Schmerz und die unglaubliche Herrlichkeit dieser Reise. Ich erinnere mich noch gut an das legendäre Schlamm-Jahr 2015. Auf dem Weg zur Hauptbühne saugte der berüchtigte Wacken-Matsch meinen linken Gummistiefel mit einem satten Schmatzen unwiderruflich in die Tiefe. Er ruht dort vermutlich heute noch als archäologisches Artefakt. Die restlichen drei Tage verbrachte ich mit einer eleganten Fußbekleidung aus zwei Müllsäcken und einer halben Rolle Panzertape. Und wisst ihr was? Es war großartig.

Was für Außenstehende aussieht wie ein kollektiver Ausflug in den hygienischen Ausnahmezustand, ist in Wahrheit das friedlichste und herzlichste Familientreffen dieses Planeten. 80.000 verrückte Seelen stellen sich den Elementen. Man schläft nicht, man duscht (meistens) nicht, man ernährt sich von Dosenfleisch und Flüssigbrot – und man ist dabei so unfassbar glücklich wie sonst nirgends auf der Welt. Es ist eine brüderliche und schwesterliche Umarmung im Moshpit. Wer hinfällt, wird sofort von fünf völlig Fremden wieder hochgezogen. Das ist das ungeschriebene Gesetz des Holy Ground.

Ein Jacky Cola auf Lemmy!

Und wenn wir über den Holy Ground sprechen, dann müssen wir über den Mann sprechen, der diesen Boden wie kein anderer geprägt hat. Kein Wacken ohne Gedanken an den Gottvater: Lemmy Kilmister.

Wenn Lemmy backstage am Spielautomaten stand, mit einem Glas Whiskey in der Hand, war die Welt in Ordnung. Er brauchte keine Lasershow und keine Allüren. Er trat an dieses viel zu hoch eingestellte Mikrofon, legte den Kopf in den Nacken, und dann kam dieser eine, raue Satz, der uns alle für immer geprägt hat:

"We are Motörhead. And we play rock 'n' roll."

Das war kein Spruch. Das war ein Versprechen. Lemmy war das fleischgewordene Wacken. Rau, laut, ehrlich, unkaputtbar und völlig frei von Kompromissen. Wenn die Bässe heute über den Acker wummern, dann schaut er von irgendwo da oben – wahrscheinlich mit einem Jacky Cola und einer Marlboro – grinsend auf uns herab.

Ein kleines Eingeständnis in eigener Sache

Sitze ich also hier an der Raststätte und bin neidisch? Verdammt, ja! Ein kleines, lautes „WACKÖÖÖÖN!“ rutscht mir beim Anblick der beladenen Autos unweigerlich über die Lippen. Ich wünsche jedem einzelnen von euch da draußen auf der A7 eine staufreie Anreise, kalte Getränke und das Wochenende eures Lebens. Haltet die Hörner oben!

Bevor ich aber anfange, mein Wohnzimmer mit Ravioli-Dosen zu dekorieren, muss ich als Kolumnist von suzenna.com noch eine ehrliche Beichte ablegen. Wir haben unser Sortiment durchforstet. Wir haben das Lager auf den Kopf gestellt. Aber ich muss mich in aller Form entschuldigen: Wir haben aktuell absolut gar nichts im Angebot, das euer Wacken-Erlebnis bereichern könnte.

Unsere hauchdünnen, meisterhaft gefertigten Kristallgläser? Die überleben in der Wall of Death exakt drei Sekunden. Unsere edle, venezianische Keramik? Hervorragend für feine Antipasti auf der Terrasse, aber völlig ungeeignet, um am Freitagmorgen bei Nieselregen kalte Bohnen mit Speck über dem Gaskocher darin aufzuwärmen.

Es tut uns unendlich leid. Aber wisst ihr was? Wir arbeiten dran! Bis wir das erste bruchsichere, nietenbesetzte Keramik-Bierfass für den gepflegten Moshpit entwickelt haben, wünschen wir euch das geilste Festival der Welt. Trinkt das Dosenbier für uns mit und haltet die Hörner oben!

In diesem Sinne: Rain, Shine and Cheers! 🤘 

lets rock, euer daheim gelassener ML

Vorheriger Artikel Die Hochzeits-Saison – Ein finanzielles Blutbad zwischen Fotobox-Terror, Bauchladen-Traumata und heulenden Teenagern
Nächster Artikel 🍹 Kolumne: Die Aperol-Aristokratie und ihre E-Bike-Kavallerie – Vom kollektiven Hirninfarkt in der deutschen Fußgängerzone

Einen Kommentar hinterlassen

* Erforderliche Felder

Produkte vergleichen

{"one"=>"Wählen Sie 2 oder 3 Artikel zum Vergleichen aus", "other"=>"{{ count }} von 3 Elementen ausgewählt"}

Wählen Sie das erste zu vergleichende Element aus

Wählen Sie das zweite zu vergleichende Element aus

Wählen Sie das dritte Element zum Vergleichen aus

Vergleichen