Österreich nur 4,95 €, ab 80 € ebenfalls versandkostenfrei
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Kaum hat die Frühlingssonne den ärgsten Frost aus der heimischen Scholle geleckt, bricht in der Republik wieder die alljährliche Gemüsepandemie aus. Das Land mutiert zu einer einzigen, gigantischen Freiluft-Sekte. Überall an den Bundesstraßen sprießen diese räudigen, aus alten Europaletten und Dachpappe zusammengezimmerten Sperrholzbuden aus dem Boden. Und davor stehen sie dann: die sabbernden Vorstadt-Kulinariker, die sich in ihren SUV-Panzern die Reifen plattstehen, als gäbe es dort den Impfstoff gegen das Altern. Da wird dann mit zittrigen Händen der Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens auf den Tresen geblättert, nur um zwei Kilo von diesem faserigen, bleichen Wasserholz nach Hause zu tragen, das pur gekocht nach feuchtem Waschkeller und ländlicher Verzweiflung schmeckt.
Aber machen wir uns doch nichts vor, Freunde der gepflegten Mast! Diese weißen Erddildos sind doch in Wahrheit nichts anderes als das pflanzliche Tarnnetz für hemmungslose Völlerei. Der gemeine Deutsche braucht das hochgelobte „weiße Gold“ doch nur als pseudovegetarisches Alibi, um sich ohne den Hauch eines schlechten Gewissens einen panierten Schweinekadaver von der Größe eines Klodeckels in den Schlund zu schrauben. Der Spargel ist quasi die moralische Absolution für das in ranzigem Butterschmalz totgebratene Schnitzel.
Und weil man dieses zähe, quietschende Astwerk pur ja gar nicht unfallfrei durch die Speiseröhre gewürgt bekommt, muss die ganze traurige Komposition auf dem Teller ordentlich geflutet werden. Da stürzt dann ein halber Liter gelber Industrieschleim aus dem Zehn-Liter-Plastikkanister über das Ensemble. Der findige Landgastronom nennt diese Emulsion aus billigem Palmfett, Wasser und synthetischen E-Nummern auf der abwaschbaren Speisekarte zynischerweise „Sauce Hollandaise“. Darunter liegt der Spargel dann wie ein morscher Brückenpfeiler im Cholesterin-Tsunami und stört beim Kauen eigentlich nur die weiche Textur des fettvollgesogenen Panaden-Schwamms.
Hauptsache, am Ende sitzt der vollgefressene Mitteleuropäer mit offener Hose und Schnappatmung am Resopaltisch, kippt sich den dritten lauwarmen Korn zum „Aufräumen“ in den Hals und klopft sich rülpsend auf die Schulter, weil er heute mal „was ganz Leichtes, Saisonales“ im Trog hatte. Ein Fest der Heuchelei! Bis man am nächsten Morgen beim ersten Toilettengang feststellt, dass der eigene Urin das Badezimmer in ein olfaktorisches Sperrgebiet verwandelt hat, das riecht wie das Klärbecken einer Autobahnraststätte bei 35 Grad im Schatten. Aber hey – es ist ja nur einmal im Jahr!
Die Moral von der Geschicht'
Was lernen wir also aus diesem wochenlangen, kollektiven Mummenschanz? Die Moral der Geschichte ist denkbar einfach: Steh gefälligst zu deiner Gier, du Heuchler! Wir brauchen keine blassen Erd-Schlangen als moralischen Freifahrtschein für unseren ungezügelten Fleisch- und Fettkonsum.
Wenn am 24. Juni – dem heiligen Johannistag – endlich Schicht im Schacht ist, der Spargel im Boden bleibt und der Spuk sein erlösendes Ende findet, atmet die Republik insgeheim auf. Endlich kann der Deutsche wieder grundehrlich und ohne pflanzliche Ausreden an seinem sündhaft teuren Gasgrill stehen, um zähes Schweinenackensteak direkt in klebrige Barbecue-Soße zu tunken. Ganz ohne pseudo-elitäres Gemüsetheater, ohne gelben Saucenschleim aus dem Eimer und vor allem: ohne dass das heimische Gästeklo am nächsten Morgen nach Chemieunfall riecht. Guten Appetit!
P.S. in eigener Sache (und zur rechtlichen Absicherung): Um hier abschließend mal reinen Tisch zu machen: Ja, ich gestehe – ich verabscheue Spargel abgrundtief. Für mich ist und bleibt das Zeug kulinarische Strafarbeit. Ich hoffe nun inständig, dass meine geschätzte Chefin diese Zeilen entweder mit dem nötigen schwarzen Humor liest, oder dass sie gerade selbst zu tief im Hollandaise-Koma steckt, um meine fristlose Kündigung zu tippen. Falls das hier also meine letzte Kolumne gewesen sein sollte, wisst ihr Bescheid: Der Spargel-Lobbyismus reicht bis ganz nach oben. Betet für mich, sonst war's das mit meiner Karriere und ich muss ab morgen selbst in so einer Holzhütte an der B14 stehen und das Zeug verkaufen.
Locker bleiben, und hoffentlich bis nächste Woche, euer ML
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