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kantine in den 80igern mit Leberkas und Weissbier, Leute prosten sich zu in der Mittagspause

Hilfe, mein Praktikant meditiert! Überleben im toxischen Retro-Büro, der direkte Generationen-Clash

Zwischen Hafermilch-Trauma und Herrengedeck: Die Teilzeit-Götter im Büro

Man muss Sören-Malte eigentlich bewundern. Sören-Malte ist 24, hat sieben Semester „Irgendwas mit Medien und Achtsamkeit“ studiert und betritt heute um 10:15 Uhr unser Büro. Früher ging nicht, der Biorhythmus, Sie verstehen. Sein erster Akt als neuer Junior Assistant Manager of Whatever? Er fragt den Abteilungsleiter, wo denn der Safe Space sei, falls die WLAN-Strahlung mal wieder Mikroaggressionen aussendet, und pocht auf seine vertraglich zugesicherte 28-Stunden-Woche. Bei vollem Lohnausgleich, logisch. Schließlich hat er am Wochenende schon einen anstrengenden Töpfer-Retreat hinter sich.

Wenn ich Sören-Malte so ansehe, mit seinem Fair-Trade-Kombucha in der Hand und dem chronischen Burnout-Risiko in den feuchten Rehaugen, muss ich fast eine Träne verdrücken. Und dann erinnere ich mich daran, wie Arbeiten früher aussah. In der glorreichen Epoche von Asbest, Filterlosen und rustikaler Pädagogik.

Besonders hart ist der Kulturschock natürlich bei uns. Wenn Sören-Malte durch unsere Gänge schleicht, bekommt er ohnehin sofort Schnappatmung. Kein Wunder: Wer auf suzenna.com tagtäglich Biergläser, Schnapsgläser, Weingläser, massive Aschenbecher und zünftiges Barzubehör an den Mann bringt, bei dem färbt das Sortiment unweigerlich aufs Betriebsklima ab. Wir sind halt noch a bisserl retro. Bei uns ist ein schwerer Metall-Dreh-Aschenbecher auf dem Schreibtisch kein ironisches Deko-Objekt aus dem Museum für Industriekultur – das ist Arbeitsausstattung!

Damals, als der Begriff „Work-Life-Balance“ noch als kommunistische Propaganda galt, sah eine Mittagspause eben anders aus. Was Sören-Malte heute als schweren Alkoholismus samt Einweisung in die Betty-Ford-Klinik bezeichnen würde, nannte man bei uns schlicht: Kantinengang zur Mittagspause. Drei Weißbier zum Leberkäs waren kein Kündigungsgrund, sondern eine arbeitsmedizinisch empfohlene Rehydrierungsmaßnahme. Wer nach 13 Uhr ohne dezente Fahne und leicht glasige Augen am Schreibtisch saß, galt als unkollegialer Einzelgänger oder hatte schlicht Magen Darm.

Und dann die Meetings! Heute bucht man drei Wochen im Voraus einen klimatisierten Think-Tank-Room mit ergonomischen Sitzbällen. Früher zwängten sich acht Männer in einen zwölf Quadratmeter großen Raum und zündeten sich simultan eine Ernte 23 an. Nach fünf Minuten konnte man den Typen gegenüber vor lauter blauem Dunst nur noch per Echolot orten. Ein Flipchart brauchten wir nicht – die sinkenden Quartalszahlen wurden einfach mit dem Zeigefinger in die dicke Teerschicht an der Raufasertapete geritzt.

Unser Onboarding für Azubis? Das bestand aus einem gezielten, orthopädisch bedenklichen Tritt in den Allerwertesten, wenn der Filterkaffee lauwarm war. Das war kein Mobbing, das war angewandte Charakterbildung! Wenn unser Stift damals den 13er-Schlüssel verlegt hat, flog ihm ein schwerer Leitz-Ordner an den Hinterkopf. Aus dem Jungen ist auch was geworden! (Gut, er ist heute ein Workaholic mit Bluthochdruck und zuckt zusammen, wenn jemand ruckartig die Hand hebt, aber immerhin ist er pünktlich!).

Doch wenn sich der blaue Dunst der Nostalgie verzieht, muss man ehrlich sein. Wenn Sören-Malte und die alte Garde im Großraumbüro aufeinanderprallen, ist unsere Verachtung für die „Jugend von heute“ vielleicht gar keine Überlegenheit. Vielleicht ist es heimlicher Neid. Wir haben uns jahrzehntelang eingeredet, dass Loyalität zur Firma bedeutet, sich selbst aufzuopfern. Wir haben den unmenschlichen Druck weggeschluckt, weggewischt und weggeraucht – und die passenden, wunderschönen Gefäße dafür stilecht in unserem eigenen Shop verkauft.

Sören-Malte hingegen hat uns dabei zugesehen. Er hat am Küchentisch beobachtet, wie die Generation seiner Väter für den Firmenwagen und den Jahresbonus den ersten Herzinfarkt mit 50 in Kauf nahm. Seine 28-Stunden-Woche und die ständige Flucht in den „Safe Space“ sind keine reine Schwäche. Sie sind die logische, wenn auch völlig absurde Gegenreaktion auf eine Arbeitswelt, die den Menschen als reinen Rohstoff begriff. Sören-Malte rennt vor dem Hamsterrad weg, weil er gesehen hat, wie wir darin krepiert sind.

Am Ende sind wir beide tragikomische Gefangene unserer Zeit. Wir, die wir stolz unsere Magengeschwüre als Tapferkeitsmedaillen tragen, und die Teilzeit-Götter der Gen Z, die vor lauter Angst vor Kratzern ihr gesamtes Leben in Watte packen. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, irgendwo zwischen Herrengedeck und Hafermilch-Macchiato.

Ich weiß nur eins: Philosophischer Tiefgang macht durstig. Ich gehe jetzt ins Lager, hole mir das massivste und formschönste Weißbierglas, das suzenna.com zu bieten hat, und schenke mir eins ein. Ein Toast auf uns alle – auf die Überlebenden der Asbest-Ära und die Pioniere der Achtsamkeit. Prost!

Mahlzeit, bis nächste Woche, euer ML

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