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Das Schweigen der Laemmerfilets: Warum Tokio Hotel uns das Menue schuldig bleibt

Das Schweigen der Laemmerfilets: Warum Tokio Hotel uns das Menue schuldig bleibt

Das Schweigen der Lämmerfilets: Warum Tokio Hotel uns das Menü schuldig bleibt

In der glitzernden Welt von Bill und Tom Kaulitz gibt es vieles im Überfluss: Pailletten, philosophische Exkurse über die Einsamkeit im Rampenlicht und eine fast schon beängstigende Dichte an Oldtimern. Doch wer die Dokus und Podcasts der Zwillinge verfolgt, stößt unweigerlich auf ein metaphysisches Vakuum: Die Abwesenheit von Sättigung. Während gewöhnliche Sterbliche ihren Alltag um Mahlzeiten herum gruppieren, scheinen die Kaulitz-Brüder eine Form der ästhetischen Photosynthese betrieben zu haben – sie ernähren sich vom Blitzlichtgewitter und der kalifornischen Abendsonne. 

Es stellt sich die feinsinnige Frage: Was isst ein Rockstar eigentlich, wenn die Kamera gerade nicht in sein perfekt konturiertes Gesicht zoomt? Besteht die Existenz in den Hollywood Hills tatsächlich nur aus der heiligen Dreifaltigkeit aus Matcha-Latte, transzendentalem Ingwer und dem obligatorischen Sushi, das so kunstvoll auf dem Teller liegt, dass man es eher einrahmen als kauen möchte?

Die fast schon asketische Zurückhaltung, mit der in ihrer Serie über Lieblingsgerichte gesprochen wird, lässt tief blicken. Vielleicht ist echtes, dampfendes Essen – sagen wir: eine ehrliche Rinderroulade mit ordentlich Soße – einfach zu wenig „Vibe“. Eine Roulade lässt sich schwer mit einem Gucci-Ensemble koordinieren, ohne dass die Gravitation der Bratensoße das gesamte künstlerische Konzept gefährdet. Essen ist bei den Kaulitz-Brüdern kein Genuss, sondern eine logistische Notwendigkeit, die man zwischen zwei Anproben hastig erledigt, als würde man einen lästigen Akku aufladen.

Die Glut im Herzen der Band: Der Fall Gustav

Doch genau hier, im kulinarischen Schattenreich der Band, betritt ein Mann die Bühne, der das Gleichgewicht der Mächte (und der Mägen) wiederherstellt: Gustav Schäfer.

Während die Frontmänner sich in der Schwerelosigkeit des Ruhms verlieren, sorgt der Schlagzeuger für die nötige Erdung – und zwar am Rost. Gustav ist der stoische Hüter des Feuers, der kulinarische Diplomat aus Magdeburg, der weiß, dass man die großen Fragen des Lebens nicht mit einem Algen-Smoothie beantwortet, sondern mit der präzisen Kerntemperatur eines Nackensteaks.

Grillen ist bei Gustav kein bloßes Garen, es ist eine archaische Zeremonie. Es ist das Gegenteil von Guided Cooking oder digitaler Perfektion. Hier regiert der Instinkt, das Auge für die Glut und die Geduld, die man nur entwickelt, wenn man jahrelang den Takt für eine Weltkarriere vorgegeben hat. Gustav ist der Beweis dafür, dass man die Trommelschlägel gegen die Grillzange tauschen kann, ohne an Rock-Credibility zu verlieren. Im Gegenteil: Wer ein Feuer bändigen kann, bändigt auch jede Arena.

Ein persönliches Bekenntnis am Spielfeldrand

Ich muss es gestehen: Als Ihr Kolumnist empfinde ich bei diesem Anblick eine tiefe, fast schon brüderliche Sehnsucht. Während ich Bill und Tom bewundernd dabei zusehe, wie sie die Grenzen der Mode sprengen, würde ich viel lieber mit Gustav am Grill stehen. Es wäre ein Gipfeltreffen der Sinne, eine stille Übereinkunft zwischen zwei Männern, die wissen, dass ein gut gezapftes Bier und das Zischen von Fleisch auf heißem Stahl die ehrlichste Form der Kommunikation sind.

Die Kaulitz-Brüder mögen uns ihre Lieblingsrezepte vorenthalten, vielleicht um das Mysterium ihrer Unnahbarkeit zu wahren. Aber wir wissen jetzt: Solange Gustav den Grill anheizt, hat Tokio Hotel eine Seele, die auch mal nach Rauch und Marinade schmeckt. Und das ist am Ende des Tages wesentlich nahrhafter als jeder rote Teppich.

Bis zu nächsten Woche, euer ML

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