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Zwischen Mettigel und Wahnsinn: Das kulinarische Schafott

Zwischen Mettigel und Wahnsinn: Das kulinarische Schafott

Es ist wieder diese Zeit des Jahres, in der die deutsche Zivilisation eine kurze Pause einlegt, um sich kollektiv eine Pappnase ins Gesicht zu rammen. Karneval – das ist der Moment, in dem die Grenze zwischen Brauchtum und Belästigung so flüssig wird wie das abgestandene Kölsch in den Plastikbechern der Umzugswagen.

Man nennt es die „fünfte Jahreszeit“, was mathematisch schon so fragwürdig ist wie die Witze in einer Mainzer Büttenrede. Überall herrscht diese aggressive Heiterkeit, die einen wie ein schlecht gelaunter Inkassobote anspringt und zur Ekstase zwingen will. Wer nicht mitwippt, wenn die „Höhner“ zum tausendsten Mal die akustische Umweltverschmutzung proben, gilt in diesem Land als soziopathischer Gefährder.

Aber das wahre Grauen findet nicht auf der Straße statt, sondern am Buffet. Ich habe mir dieses Jahr den Spaß gemacht und überlegt, wen unserer hochdekorierten TV-Löffel-Schwinger wir eigentlich zur Strafarbeit an die Front schicken müssten. Wer sollte die kulinarische Verantwortung für eine Prunksitzung übernehmen, bei der die einzige Zutat „Zuckerguss“ und „Frittierfett“ ist?

Auf dem dritten Platz meiner persönlichen Strafliste: Steffen Henssler. Ich möchte ihn dabei beobachten, wie er versucht, in zwei Minuten eine „schnelle Nummer“ aus Mettigeln und Käseigeln zu zaubern, während hinter ihm ein betrunkener Elferrat „Polonäse Blankenese“ grölt. Man gönnt ihm die Demütigung, wenn er feststellen muss, dass sein filigranes Sushi gegen ein trockenes Brötchen mit billigem Senf keine Chance hat. Da hilft auch kein arrogantes Grinsen – im Karneval ist die Currywurst der König, und der Henssler nur der Hofnarr.

Platz zwei reserviere ich für Frank Rosin. Stellen Sie sich vor, wie er in einer Mehrzweckhalle in der Eifel versucht, das Catering zu retten. Er stünde vor einem Bottich mit fader Erbsensuppe, würde die Köchin des örtlichen Landfrauenvereins anschreien, dass in diesem Eintopf „keine Liebe“ steckt, nur um dann festzustellen, dass die Gäste sowieso so viel getrunken haben, dass sie den Unterschied zwischen Gourmet-Jus und Fensterreiniger nicht mehr schmecken würden. Rosin beim Scheitern an der deutschen Schunkel-Realität – das wäre wahre Satire.

Und der absolute Gipfel der närrischen Grausamkeit? Den heben wir uns für Tim Mälzer auf. Ich würde ihn gerne als „Küchenbullen“ im Kostüm eines überdimensionalen Berliners sehen – gefüllt mit Senf, versteht sich. Er müsste versuchen, ein Zehn-Gänge-Menü zu kochen, während das Publikum ihn mit Kamelle bewirft und „Tusch!“ schreit, sobald er sich mit dem Messer in den Finger schneidet. Mälzer, wie er völlig die Fassung verliert, weil jemand Ketchup über sein handmassiertes Wagyu-Steak kippt, während der Sitzungspräsident ihn fragt: „Und, schmeckt’s, du alte Sprotte?“ – das wäre der Moment, in dem die Satire zur Poesie wird.

Ich ziehe mich jetzt zurück. Ich habe mir eine Flasche sehr teuren Wein in den Keller gestellt, wo mich kein „Helau“ und kein „Alaaf“ erreicht. Ich werde dort sitzen und warten, bis die Asche auf die Häupter gestreut wird. Denn eines ist sicher: Der Kater nach dem Karneval ist das Einzige, was in dieser Zeit wirklich ehrlich ist.

Helau und Alaaf, bis zur nächsten Woche, euer ML

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